Ich ließ mich waterboarden.

Ich komme in das Studio direkt am Checkpoint Charlie und betrete den zirka 300 Quadratmeter großen, spartanisch eingerichteten Raum. Direkt werde ich gefragt ob ich mitmachen möchte. Ich gebe also meine Jacke und meinen Rucksack ab und schaue mir die vor mir liegende, auszfüllende Vollmacht an:
Blablabla – Adresse – Blablabla – eigene Gefahr – blabla – Unterschrift.
Ich schlürfe genüsslich an meiner Cola, während jemand von zwei vermummten Typen zur neonfarbenen Bahre geführt wird. Er legt sich hin, wird gefesselt, bekommt ein Handtuch über den Kopf und einer der Vermummten, beginnt aus einer Plastikflasche Wasser über Mund und Nase des Freiwilligen zu schütten, während der andere den Kopf festhält. Nur wenige Sekunden vergehen und der junge Mann auf der Bahre reißt mit aller Kraft seinen Kopf hoch. Es ist vorbei. Mh. So für mich als Außenstehenden sah das jetzt völlig unspektakulär aus.
Also selbst nach vorn, die Vollmacht ist längst ausgefüllt. “Wenn du auf die Bahre klopfst, hören wir auf. Kann es losgehen?” Kann losgehen. Ich werde komplett auf der Bahre gefesselt, Bewegung unmöglich. Ich lache noch, werde daraufhin beschimpft: “Du bist nicht zum Spaß hier du beschissener Penner.” Ich weiß, dass die beiden ihren Hass nur spielen. Trotzdem vergeht mir ein wenig das Lachen, sind es ja dennoch Fremde, denen ich mich hier gerade gefesselt anvertraue. Von einer Sekunde auf die andere wird mein Kopf auf die Bahre gedrückt und ich bekomme ein Handtuch über das Gesicht gepresst. Was kann schon passieren? Ich bin gut im Luftanhalten, werde das bestimmt am Anfang locker aushalten. Ich hatte keine Ahnung. Es geht los, ich merke wie das Handtuch nass wird. Das Tuch ist schließlich komplett durchgenässt und das Wasser gelangt langsam aber sicher direkt auf mein Gesicht. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr wie genau es dazu kommt, aber ich verschlucke mich (wahrscheinlich aufgrund der Tropfen in meiner Nase) und muss auf einmal atmen, aufgrund des nassen Tuchs ist das aber nicht richtig möglich. Ich bekomme Panik, verschlucke Wasser, denke noch für den Bruchteil einer Sekunde, dass mir nichts passieren kann, doch dann überrennt mich die Angst, Todesangst, ich habe das Gefühl zu ertrinken und klopfe so heftig wie ich kann auf die Holzbahre. Es ist vorbei. Ich muss noch husten, habe mich doch heftig verschluckt. Ich bleibe noch ein paar Sekunden sitzen, huste mich aus und stehe auf. Danach werde ich in den Arm genommen, alle sind herzlich, man fragt mich wie es war, wie ich mich gefühlt habe. Ich weiß nicht was ich sagen soll, also schweig ich. Und gehe.
Waterboarding, so hört man immer wieder, war die Lieblingsfoltermethode von George W. Bush, um eventuelle Terroristen in Guantanamo zum Reden zu bringen – extrem wirkungsvoll, ohne bleibende Spuren. Laut Wikipedia bricht der Widerstand der Opfer meist nach weniger als einer Minute. Hier in Berlin gab es nun eine Installation des iranischen Künstlers Iman Rezai. “Die performative Postmoderne – Illusion H2O” hieß das Projekt, bei dem es um nichts anderes als Waterboarding ging. In dem Studio am Checkpoint Charlie konnte man am eigenen Körper erfahren, wie sich das “simulierte Ertrinken” anfühlt. Iman wollte den Besuchern die Chance geben, sich selbst von der Grausamkeit der Methode zu überzeugen. Ein Klopfzeichen war das Signal zum Stopp. Wie Jan Pfaff vom Freitag an anderer Stelle schon richtig erkannt hat, wäre es dennoch vermessen in diesem Kontext von wirklicher Folter zu sprechen. Auch meiner Meinung nach fängt Folter erst an, wenn der Zeitpunkt des Aufhörenwollens überschritten ist. Und doch lässt diese Selbsterfahrung keinen Zweifel: Waterboarding als Verhörmethode ist Folter.
Wer wissen möchte was Waterboarding überhaupt ist klickt hier.



















