
“Die Eleganz des Igels” von Muriel Barbery ist ab sofort mein neues Lieblingsbuch. Nie zuvor habe ich etwas faszinierenderes gelesen. Bei Amazon hätte ich es wohl nicht gekauft. Die Rezensionen sind sehr unterschiedlich. Viele sind begeistert, nahezu ebenso viele geben dem Buch nur ein oder zwei Sterne. Das ist verständlich. Das Buch ist sicherlich nicht für jeden etwas. Die Handlung ist nicht sonderlich spannend, es passiert überhaupt sehr wenig im gesamten Buch. Und doch habe ich es verschlungen. Vielen ist das Buch zu philosophisch, die Sprache zu gestelzt, zu hochgestochen und künstlich. Doch genau das ist es, was ich an dem Buch so wunderbar finde. Normalerweise bin ich kein Fan von verschlungener Sprache und langen Sätzen. Doch bei diesem Buch war es anders. Ich habe die teilweise wirklich nicht enden wollenden Sätze geliebt. Die Sprache lässt sich schlecht beschreiben. Ich fand sie einfach unglaublich schön, wobei das glaube ich noch untertrieben wäre. Noch nie habe ich in einem Buch Abschnitte mehrmals hintereinander gelesen, weil ich die Sprache noch nie so ausgefeilt, so präzise, so wundervoll formuliert fand wie in “Die Eleganz des Igels”. Es ist wirklich ein “a-ha-Erlebnis” gewesen. Da sich das alles so schwer in Worte fassen lässt, zitiere ich einfach eine der, meiner Meinung nach, schönsten Stellen im Buch. Ich halte sie auch für stellvertretend für die im gesamten Buch verwendete Sprache. Wer damit nichts anfangen kann, lässt die Finger von dem Buch, wen diese Sätze genau so bewegen wir mich (ja es hört sich wirklich komisch/bescheuert an aber es war so), der sollte es unbedingt lesen.
“Die Teezeremonie, diese präzise Erneuerung der gleichen Handgriffe und des gleichen genußvollen Kostens, dieser Zugang zu einfachen, authentischen und raffinierten Empfindungen, diese einem jedem gegebene Freiheit, für wenig Geld ein Aristokrat des Geschmacks zu werden – denn der Tee ist genauso das Getränk der Reichen wie das der Armen -. die Teezeremonie also hat die außergewöhnliche Macht, in die Absurdität unserer Leben eine Lichtung aus beschaulicher Harmonie zu zaubern. Ja, die Welt ist auf die Leere ausgerichtet, die verlorenen Seelen beweinen die Schönheit, die Bedeutungslosigkeit kreist uns ein. Trinken wir also eine Tasse Tee. Stille tritt ein, man hört den Wind draußen blasen, die Herbstblätter rascheln und fliegen davon, die Katze schläft in einem warmen Licht. Und in jedem Schluck verklärt sich die Zeit.”
Schon kitschig. Aber irgendwie Wahnsinn.