Spex schlägt Musikexpress.

An dieser Stelle möchte ich die Zeitschriften Spex und Musikexpress vergleichen. Man könnte mir vorwerfen, dass man die beiden Zeitschriften überhaupt nicht vergleichen könne. Spex komme schließlich nur alle zwei Monate heraus, Musikexpress monatlich, die Zielgruppe sei auch nicht die gleiche,…
Ich werde den Vergleich trotzdem anstellen. Ich glaube, dass die Zielgruppen sich vielleicht nicht zu hundert Prozent decken, aber es doch große Überschneidungen gibt. Außerdem bezeichnet Wikipedia beide Blätter als „Musikzeitschriften“, was doch auf gewisse Gemeinsamkeiten hindeuten könnte.
Ich würde mich übrigens als unvoreingenommen bezeichnen, was daran liegt, dass ich beide Zeitschriften nun zum ersten Mal lese.
Cover, Layout & Äußeres
Der Musikexpress mit „The Drums“ auf dem Cover gibt schon auf den ersten Blick sehr viele Hinweise über den Inhalt des Heftes. Während noch über dem Namen „musikexpress.“ genaue Fakten gegeben werden, wie viele Platten, Bands, Interviews, etc. die Ausgabe enthält, findet man auch unten nochmal Details darüber welche Bands genau Erwähnung finden und welche großen Storys sonst noch enthalten sind („mit Steve Reich auf einer einsamen Insel“, “mit Kylie durchs Alphabet“). Der Fokus liegt hierbei ganz klar auf Musik.
Spex hingegen, hält das Titelblatt allgemeiner. Die Zeitschrift bezeichnet sich selbst als „Magazin für Popkultur“ was darauf schließen lässt, dass der Inhalt auch über Musik hinaus geht. Auch die Themenhinweise sind allgemeiner gehalten. Der Kopf der „Berliner Spaßdiktatur“ Bonaparte befindet sich auf dem Cover und mit ihm die Hinweise auf den Inhalt: „Vampire / Feminismus / Fussball / Sex / Weltuntergang“.
Layouttechnisch fällt auf den ersten Blick auf, dass die musikexpress-Redaktion gern auch mal die Schriftfarbe ändert, Spex bleibt hier konsequent schwarz. Meiner Ansicht nach enthält, die Spex weniger Werbung und ein minimal hochwertigeres Papier. Dicker ist sie natürlich auch, was aber nicht verwundert, da sie nur alle zwei Monate erscheint. Der musikexpress ist mit 4,90€ genau 60 Cent günstiger als Spex.
Inhalte
Kommen wir nun zum entscheidenden Teil, den Inhalten. Wie schon angedeutet, ist der musikexpress soundlastiger. Trotz der unterschiedlichen Cover überschneiden sich die musikbezogenen Inhalte allerdings deutlich. So kommen The Drums, Bonaparte und die Scissor Sisters in beiden Magazinen vor. Beide beginnen auch mit den News über die neueste Musik, beim musikexpress ist ein richtiges Editorial leider nicht vorhanden. Spex widmet jeder Band mindestens eine Doppelseite, oft in Verbindung mit einem großen Foto. Der musikexpress beschreibt knapper, dafür gibt er einen deutlich breiteren Überblick über die News der Musikszene. Auch was es an neuen trendigen Produkten gibt wird erzählt.
Betrachtet man die „großen Geschichten“ in den Magazinen, so ist das Themenfeld in der Spex breit gefächert: Ein Reisebericht, Mode, Bonaparte und das Internet sind die Themen der aktuellen Ausgabe, Popkultur eben. Die Artikel sind wie im gesamten Heft deutlich länger als im musikexpress. Auch die Sprache ist anders. Der Unterschied ist schwer zu beschreiben. Vielleicht ein wenig „gehobener“. In der Spex kommt es durchaus mal vor, dass man einen Satz zweimal lesen muss. Manch einer mag das auf die Dauer anstrengend finden. Flüssiger lesen lassen sich die Artikel im musikexpress daher schon. Sie gehen allerdings nicht allzu weit über Musik hinaus. In der aktuellen Ausgabe befinden sich unter den „großen Geschichten“ sieben musik- bzw. bandbezogene Artikel, ein Reisebericht, und ein sehr gutes Porträt vom Schriftsteller John Niven. Mode wird in dem Artikel über The Drums aufgegriffen, in dem in einer Fotostrecke die Klamottenhersteller genannt werden (sollten). Das Ganze ist allerdings irgendwie halbherzig umgesetzt. Andauernd liest man: Schuhe: Privat, Hemd: Privat, Outfit: Privat. Was nicht privat ist, ist von Levis oder Converse. So einen Modeteil kann man sich auch sparen. Es gibt allerdings noch eine extra Modestrecke zum Thema „Punk“. Ich persönlich halte die Klamotten für wenig alltagstauglich, aber das mag in anderen Ausgaben auch anders sein. Spex hat noch eine richtige Mode-Rubrik mit einem interessanten Artikel über Dandys im Kongo. Apropos Rubriken. Spex kann hier neben Mode noch mit Kunst, Literatur, Film & Live aufwarten. Außerdem gibt es noch das Pop-Briefing in dem aktuelle Platten diskutiert werden. Auch im musikexpress gibt es im „Selektor“-Teil Seiten über Bücher und Filme. Während Spex hier allerdings richtige z.T. hintergründige Artikel bietet, will musikexpress vor allem einen Überblick geben ganz nach dem Motto: Was ist neu, was ist gut?
Beide Magazine beinhalten Kolumnen. Spex zwei große, musikexpress unzählige kleine über das ganze Heft zerstreut. Diese halte ich für sehr gelungen. So gibt es z.B. eine Pop-Kolumne, eine Hip-Hop-Kolumne und eine Electro-Kolumne. Kommen wir nun zu einem für Musikzeitschriften unerlässlichem Bereich: Neue Platten. Die Magazine verfolgen hier unterschiedliche Ansätze. In der Spex wird jede Platte diskutiert. Das heißt eine Person gibt ein Statement, die nächste Person geht darauf ein, dann die nächste und so weiter. Die Folge ist, dass man relativ ausführliche unterschiedliche Meinungen zu jeder Platte bekommt. Man kann dabei auch erkennen, dass sich die Redaktion nicht selten uneinig ist, ob eine Platte nun richtig gut oder kompletter Müll ist. Im musikexpress wird so vorgegangen, dass jeweils eine Person eine Rezension zur Platte schreibt. Die Wertung erfolgt nach Sternen. Um trotzdem verschiedene Meinungen zu bekommen, gibt es auch eine Tabelle in der man sehen kann welches Redaktionsmitglied welche Platte wie bewertet hat. Die Anzahl der Platten im musikexpress ist schier unglaublich. Das „Pop-Briefing“ der Spex fällt da schon deutlich knapper aus.
Fazit
Die Magazine unterscheiden sich vor allem in einem Punkt: Artikellänge. Der musikexpress bietet die Masse (vor allem an Musik) und den Überblick. Das Porträt von John Niven sticht allerdings heraus. Es ist unglaublich interessant erzählt. Spex trifft eine engere Auswahl (in jeglicher thematischer Hinsicht) und kann durch deutlich längere und vor allem hintergründigere Artikel punkten. Ich entscheide mich daher für Spex als den Sieger. Die Masse der Platten im musikexpress erschlägt mich einfach, und vor allem die hintergründigeren Artikel sprechen für das „Magazin für Popkultur“. Herzlichen Glückwunsch Spex!


14. Juli 2010 um 07:56 Uhr
Wow. Eine lange, intensive Auseinandersetzung, alle Achtung.
Ich kenne Spex auch, den Musikexpress weniger, nur vom Namen. Ich find Spex auch sehr intressant und informativ… kann mich dir da anschließen… auch wenn ich das andere Blatt nicht kenne;)
14. August 2010 um 22:31 Uhr
Spex lese ich seit 2 Ausgaben.Genausoviele besitz ich von Musikexpress.Die märz spex hatte Gorillas aufm umschlag,ich mag die cartoonartigen faces i-wie.So kam ich zu Spex.Nya,ich war auf suche nach einer neuen musikzeitschrift, nachdem mir sonic seducer nach langer zeit nicht interessant wurde.Die musik rezensionen passen mir auch weniger,aber ist halt pop…pop höre ich weniger…