Archiv für die Kategorie „kommentiert.“

EM-Fieber? Nein Danke.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Europäische Regierungen hassen die Kanzlerin und ihr Spardiktat, Spaniens Kreditwürdigkeit wurde kurzerhand in den Keller geschubst, Italien ist am Arsch, ob Griechenland aus dem Euro fliegt entscheidet die Bevölkerung am Sonntag selbst (hier wird es wohl keinen interessieren, denn die Nationalmannschaft spielt dann ja wieder), die Finanzexperten geben Europa noch drei Monate, bis eine Rettung des Finanzmarktes unmöglich wird. Aber Hauptsache alle schmieren sich ihre Nationalfarben ins Gesicht, denn man ist ja so stolz auf sein Land, das 20 Leute hervorgebracht hat, die mit einem Fußball umgehen können. Sorry, da bin ich raus, meine Augen blicken leider über den Rand der Großbildleinwand hinaus.

Lange nichts, doch wenn dann richtig

Dienstag, 31. Januar 2012

Mein letzter Post liegt nun schon einige Zeit zurück. Fast jeden Tag nehme ich mir vor, endlich mal wieder was zu schreiben, doch ich bekomme es derzeit einfach nicht auf die Kette. Klausuren, Businessplan und ein Vortrag haben sich in meinem Hinterkopf eingenistet und eine satanische Stimme flüstert mir jeden Tag: “Hör auf dich abzulenken, konzentrier dich auf das Wichtige.” Außerdem gibt es ja auch noch ein fortzusetzendes Online-Magazin und das ein oder andere Fotoprojekt was angegangen werden will. Aber wenn ich dann jeden Tag durch meinen Feedreader blättere und haufenweise Artikel lese, stellt sich mir oftmals die Frage was eigentlich gerade wirklich das Wichtigste ist. Jeden verdammten Tag platzt mir mindestens einmal der Kragen, aufgrund irgendwelcher Ungeheuerlichkeiten, die sich in dieser abgefuckten Realität abspielen. Das fickt meinen Kopf und kostet Energie, aber so ist das Leben. Hier ein Auszug der Dinge, die in den letzten Tagen mein Wutpotenzial ausschöpfen:

1. Paul-Josef Raue und Wolf Schneider veröffentlichen ein Buch zum Kotzen

Wer als Journalismusstudent solche Worte über den Chefredakteur der ThüringerAllgemeinen und den sogenannten “Papst der deutschen Sprache” verliert, wagt sich auf dünnes Eis – könnte man zumindest meinen. “Handbuch des Journalismus und des Onlinejournalismus” nennt sich das angebliche Standardwerk, mit dem junge Journalistenanwärter (wie ich) Nützliches für ihren zukünftigen Job lernen sollen – könnte man zumindest meinen. Allerdings strotzt dieses Buch vor schlechter Recherche, falschen Fakten und einem abartigen Stil. Die Autoren zeichnen ihr Bild von einer, aus ihrer Sicht typischen, Onlineredaktion, in der ahnungslose Vollidioten an uralten Computern sitzen und Texte, die es nicht in die Printausgabe geschafft haben, online stellen. Komplett lächerlich macht sich das Buch durch eine angebliche Aussage von Thomas Knüwer, bekennender Onliner und Blogger, der völlig falsch und aus dem Zusammenhang heraus zitiert wurde, und im Buch nun als Online-Basher dasteht. Wer sich detaillierter über den eklatanten Fehltritt unserer “Journalistenelite” informieren möchte, kann dies hier tun: “Schneider&Raue: Wenn Blinde über Farbe schreiben” von Christian Jakubetz

2. Nach SOPA und PIPA nun ACTA

Wer von ACTA noch nichts gehört hat, sollte sich darüber informieren, denn es handelt sich um ein multilaterales Abkommen mit der Piraterie im Internet vorgebeugt werden soll. Was genau daran problematisch ist, und warum man sich an den Protesten am kommenden Wochenende beteiligen sollte, bekommt ihr hier wunderbar erklärt:

AMYPINK: Das Internet ist schon wieder in Gefahr

SZ: “Keinem ist bewusst was ACTA bedeutet”

3. Dumm, dümmer, Ansgar Heveling (CDU)

Ansgar Heveling sitzt für die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und hat für das Handelsblatt einen Gastkommentar geschrieben. In dem Kommentar geht es um die “Netzgemeinde” und darum, dass die Entwicklungen in Sachen Internet und Web 2.0 bald der Vergangenheit angehören werden. Argumentiert wird eigentlich nicht wirklich. Es handelt sich vielmehr um eine Hetze gegen den Fortschritt aus der Hand eines Ewig-Gestrigen. Dadurch ist gestern ein Shitstorm losgebrochen, dem man als Twitter-User nicht entkommen konnte. Als ich den Artikel gelesen habe, wusste ich selbst nicht ob ich lachen oder weinen soll, aber eins wusste ich: Diese Partei ist und bleibt unwählbar. Wer den Artikel gelesen hat, sollte sich die Antwort von Thomas Knüwer auf keinen Fall entgehen lassen: “Zeitungsverleger, ihr werdet den Kampf verlieren!”

4. Antisemitismus im Alltag

Das, von mir sehr geschätzte, Online-Medium publikative.org hat einen Artikel veröffentlicht, in dem es um Antisemitismus im Alltag geht. Ein Artikel, in dem Phänomene beschrieben werden, die jeder von uns kennt, die sich auf jegliche Art von Alltagsrassismus beziehen lassen. Regt zum Nachdenken an!

“Kreativ” – Mein persönliches Unwort 2011

Mittwoch, 30. März 2011

Es ist gerade mal März und ich denke ich kann schon mal mein persönliches Unwort 2011 küren, das da lautet: kreativ. Die Antipathie gegenüber dem Wort habe ich wahrscheinlich nicht zuletzt meinem Aufenthalt in der Hansestadt Hamburg zu verdanken, offizielle Hipster-, Trend- und “Kreativ”-Stadt Nummer zwei in Deutschland. Dabei geht es gar nicht mir so sehr um die Bedeutung des Wortes “kreativ” an sich, sondern eher um die Attitüde, mit der Menschen zu diesem Begriff stehen. Dabei kommen dann oft Wortgebilde und -kombinationen heraus wie: kreative Stadt, kreatives Umfeld, kreatives Viertel, kreative Studiengänge. Was soll das denn bitte sein? Mit den Worten von Kalle auf dem Eisberg: Wittisn ditte?

Bei Wikipedia wird Kreativität wie folgt definiert: “Kreativität bezeichnet die Fähigkeit, neue Problemstellungen durch die Anwendung erworbener Fähigkeiten zu lösen. Eine einfache aber implikationsreiche Definition stammt von Holm-Hadulla (2010): Kreativität besteht in einer Neukombination von Informationen.”

Dazu kommt das Wort “kreativ” aber auch noch in der Bezeichnung “Kultur- und Kreativwirtschaft” vor. Hier liegt der Kern des Problems. Laut Wikipedia gehören elf Kernbranchen zu diesem Wirtschaftsbereich, die da wären: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt und Software/Games-Industrie.

Ich habe den Eindruck, dass verdammt viele Leute die in einer dieser Branchen tätig sind, glauben, das Wort “kreativ” für sich gepachtet haben. Für sie hängt das Wort automatisch mit den Tätigkeitsfeldern der Kultur- und Kreativwirtschaft zusammen. Etwas anderes kommt nicht infrage. Kreativ ist wer was “Kreatives” macht. Dass die Nerds im Silicon Valley zu den kreativsten Köpfen der amerikanischen Wirtschaft gehören, scheint ihnen ebenso wenig in den Sinn zu kommen, wie die Idee, dass der Bau von Windparks in der Nordsee eine kreative Idee zur Gewinnung erneuerbarer Energien sein könnte. Diese engstirnige Sicht auf den Begriff der Kreativität ist inzwischen auch in der breiten Masse der Menschen angekommen, was ich persönlich verdammt schade finde. Denn kreativ sein bedeutet nicht zwangsläufig malen, gestalten, schreiben, fotografieren oder designen….

Geht’s euch genauso? Meinungen und Urteile – jetzt!

Warum ich den Adblocker installierte

Dienstag, 22. März 2011

Obwohl es mir lange widerstrebte, habe ich die Adblock-Erweiterung nun doch in meinem Browser installiert. Manch einer mag sich denken: Warum erst jetzt? Bei mir wird Werbung schon seit Jahren geblockt….

Da ich einen Großteil meiner Freizeit auf Nachrichtenseiten wie SpOn oder Zeit.de verbringe, hatte ich bisher keinen Adblocker. Mit dem Ertragen der Werbebanner wollte ich die Arbeit der Online-Redaktionen honorieren. Das ist meines Erachtens nur fair. Die Werbeeinnahmen sind schließlich nötig, damit (guter) Journalismus auch in Zukunft möglich bleibt. Auch ich als Journalismusstudent möchte, dass meine Arbeit später honoriert wird. Aber mir reichts jetzt.

Liebe Leute von spiegel.de und zeit.de,

habt ihr euch eigentlich schon einmal gefragt, warum Anzeigen in der Zeitung oder dem Magazin als weniger störend empfunden werden als auf Internetseiten? Ist ziemlich einfach: BILDER IN ZEITUNGEN BEWEGEN SICH NICHT! NEIN, SIE BLINKEN AUCH NICHT! Außerdem umrahmen sie nicht eine ganze Seite, in dessen Mitte sich redaktioneller Inhalt befindet und poppen auch nicht plötzlich auf.

Schickt mir eine Mail sobald sich die Werbung nicht mehr bewegt, und vernünftig in die Seite eingebettet ist, dann deinstalliere ich den Adblocker. Aber bis dahin verbanne ich die Blink-Banner aus meinem Browser. Das habt ihr euch selbst zuzuschreiben!

Mit freunlichen Grüßen

Euer Adblock-Installateur


Wo ist der Teufel wenn man ihn braucht?

Dienstag, 15. Februar 2011

Da ist er wieder der Winter, der Drecksack, und rotzt mir seine weiße Pracht, im wahrsten Sinne des Wortes, eiskalt vor die Füße. Was ein Schock heute morgen, als ich durch das schräge Dachfenster des Bads nichts sehen konnte. Fuhr mir direkt in Mark und Bein. Genau wie der knapp verhinderte Sturz draußen an der Ampel auf dem glatten Boden, nur wenige Minuten später. Im selben Moment: Ein Bus mit Gesichtern die mich angrinsen. “Zur Hölle mit euch, ihr werdet euch noch selbst die Beine brechen beim Aussteigen.” Und wenn der Teufel schon gerade dabei ist die Buskinder abzuholen, kann er auch mal eben den Schnee schmelzen. So langsam bekomm ich nämlich richtig schlechte Laune.

facebook – it’s magic but spam

Mittwoch, 26. Januar 2011

Gesichtsbuch oh du Gesichtsbuch. Was ist das bloß mit dir? Warum surfe ich dich unzählige Male am Tag an? Dich nur mal eben kurz checken. Ohne das ich etwas wichtiges erfahren würde. Ich besuche dich, um Sätze zu lesen wie: “Nicht´s tun und sich vom nicht´s tun ausruhen:D Was ein Tag…” oder auch “Asia Carrera hat Krystal Steals Video kommentiert.” Nullinformation ist
das.
SPAM.
So siehts aus. Und trotzdem komme ich immer wieder vorbei um diverse Ergüsse meiner sogenannten “Freunde” zu lesen. Du verlangst von mir nicht nur, dass ich den Quatsch lese/mir anschaue/mir anhöre. Nein, am besten soll er mir auch noch gefallen. Aber weißt du was:
Nicht mit mir! 130 Kontakte habe ich inzwischen geblockt. Die spammen mir nicht mehr den Bildschirm zu, mit Fotos von leeren Flaschen und McDonalds Besuchen. Tja was dort jetzt immer steht ist weder interessanter, noch lustiger oder wissenswerter. Es bleibt in den meisten Fällen SPAM. Nur eben SPAM von Leute die man kennt. Macht es nicht besser. Außerdem gehen mir die Werbebanner an deinem Rand auf den Sack. Und wenn ich sie weg”x”e willst du auch noch von mir wissen warum. Damit du dein Profil über mich immer genauer definieren kannst, für immer gezieltere Werbung. Ich sollte die Kohle für die Werbeanzeigen bekommen. Gib mir wenigstens was ab du Raffzahn. Liebes Gesichtsbuch, für dein Dasein in meinem Leben gibt es keinen nennenswerten Grund. Und doch werde ich dich weiter besuchen. Regelmäßig. Weiterhin fb.com in die Adresszeile meines Browser tippen. Vielleicht aus Angst irgendetwas zu verpassen. Wie schrecklich.

Stadt und Provinz, Tolles aus der ZEIT

Donnerstag, 20. Januar 2011

Bei ZEITonline las ich gerade einen ungalublich treffenden Artikel zur aktuellen deutschen Literatur. Dabei geht es insbesondere um das zwanghaft Urbane, was den Autoren zur Zeit anhaftet. Die Provinz stünde immer nur für den Abgrund, die Enge, etc. Nur der Aufbruch in die Stadt könnte den Geist befreien. Christoph Scrhöder kritisiert diese Haltung in wunderbar polemischer Form und ich zitiere mal ein bisschen:

Wer in der Provinz lebt, ist nicht automatisch ein Provinzler. Wer über die Provinz schreibt, ist erst Recht kein Provinzautor. Aber wer per se abschätzig auf die Provinz herabblickt, ist definitiv provinziell.

Hey liebe Leute in der Heimat, es gab dann sogar noch eine Stelle bei der ich tatsächlich schmunzeln musste, was in meinen Augen aber auch der wichtigste Teil des Artikels ist:

Warum wird so leicht und geradezu brachial vergessen, dass Literatur sich aus den Rändern speist und auch dort entsteht und nicht im Zentrum, schon gar nicht in einem so künstlich zum Fetisch aufgeblasenen, wie es unsere Hauptstadt zurzeit ist? Dass Kunst aus Außenseitertum entsteht und nicht aus einem allgemeinen Einverständnis? Ob und inwieweit ein Vorort von Paderborn mit individueller Lebenswirklichkeit und unserer Lebenswirklichkeit im Gesamten mehr zu tun hat als ein Problembezirk in Neukölln – das möge bitte jeder selbst entscheiden und seine Stoffe (als Autor) oder seine Lektüre (als Leser) entsprechend wählen.

Jupp. Das war es auch schon. Es kommt Paderborn vor. Ist das nicht großartig? Noch großartiger, da der Artikel auch schon großartig wäre, wenn dort nicht Paderborn, sondern Gütersloh stünde.

Zum Artikel…

PS: Das Foto ist übrigens die Aussicht aus unserem Büro, wenn die Sonne durch die Wolken auf den Hafen fällt.